Die Webseiten der Top 15 der deutschen Bands und Künstler – Teil 1

Das Smashing Magazine hatte die Webseiten der Top 40 der Billboard-Charts unter die Lupe genommen und ich habe das einmal zum Anlass genommen, mir die Internet-Auftritte der 15 bestplatziertesten deutschen Bands und Künstler genauer anzuschauen. So ich es ermitteln konnte, ist auch direkt das zuständige Label und der Designer der Webseite mit angegeben.

Hier also der erste kleine Exkurs in Sachen Design, Inhalt und Umsetzung von insgesamt 7 Homepages der deutschen Musik-Elite. Schauen wir doch mal, inwiefern hier nicht nur musikalisch und PR-mässig, sondern auch webseitentechnisch mit der internationalen Konkurrenz Schritt gehalten wird – Beziehungsweise wie und wofür die einzelnen Präsenzen genutzt werden.

Platz 01
Polarkreis 18

Webseite: polarkreis18.de
Designer: Christian Grochau (Polarkreis 18)
Umsetzung: Motor
Label: Motor

Platz 1 dieser Liste ist auch direkt der Klassenbeste in den Charts. Die Webseite folgt einem Trend, der sich auch bei vielen der folgenden Seiten zeigen wird: die Auferstehung der vorgeschalteten Startseite. Neuerdings aber nicht mit Gimmicks wie unnötigen Animationen des Logos gepflastert, sondern mit Links ausgestattet, die den geneigten Besucher sofort zu den verkaufsträchtigeren Pfründen geleiten sollen.
Folgerichtig gibt es hier dann nicht nur den Link zur eigentlichen Seite, sondern auch Weiterleitungen zu Amazon und iTunes und zu einem Voting beim Radiosender 1Live.

Die eigentliche Homepage mag zum kühlen, klaren Image der Band und dem  irritierendem Namen passen, wirkt jedoch in der Umsetzung reichlich antiquiert. Eingequetscht in einen Rahmen von Postkartengrösse, wird man das Gefühl nicht los, dass dies eigentlich eine Nur-Flash-Webseite hätte sein sollen – Inklusive der vollkommen altertümlichen, aber aufgrund des selbstauferlegten, eingeklemmten Rahmens nötigen, Scrollbalken innerhalb der Seite und der Verwendung von Pixelschriften in Däumlinggrösse. Äusserst befremdlich wirkt auch der Schlagschatten, der nicht auf den Streifenhintergund fällt, sondern auf einen zusätzlichen weissen Rahmen. Warum auch immer.
Das kann man natürlich alles so machen, zeigt aber in Kombination mit dem folgenden Umstand, wohin die Reise bei Band-Webseiten geht: weniger Inhalt in Form von Neuigkeiten, Photos, Videos und Hintergrundinformationen, dafür mehr Links zu Myspace, Facebook und diversen Shopping-Portalen. Geht man von dieser Grundhaltung aus, ist der kastrierte Platzbedarf fast schon ein nötiger Schritt. Wofür Raum für etwas vorhalten, was eh nie erscheinen wird? Eben, da wird man fast schon dankbar, dass es wenigstens noch ein Gästebuch gibt und nicht alle Kontaktaufnahme und persönliche Ansprache zu den Social Networks ausgelagert wurde.


Platz 02

Reamonn

Webseite: reamonn.de
Designer: Rainer Frauboes
Umsetzung: Basilicom
Label: Universal

Und wieder eine Vor-Webseite als digitaler Kaufladen mit Links zum Dreigestirn Amazon, iTune und Musicload. Dazu bekommt man nochmal das aktuelle Video zu sehen und kann einem Link zu einem Gewinnspiel folgen. Gestalterisch vollkommen im Grunge-Design verhaftet und mit reichlich Störern ausgestattet, muss man den grossgeschriebenen Schalter in Richtung Haupseite schon ein klein wenig suchen. Möglich, dass unerfahrene Web-Surfer mit der Aufmerksamkeitsspanne von Fernbedienungsjunkies schon hier kleben bleiben und den Weg hinein nicht finden. Aber das Ziel ist auch wohl eher die zusätzliche Umlenkung des Besuchers auf die oben genannten Firmen, zumindest aber das Gewinnspiel wird aggressiv mit Pfeilen versehen und prominent platziert.

So man dann endlich die Hauptseite erreicht hat, setzt sich dort auch das grungige Design fort: Kratzer, Textur und Hangekritzel aller Orten. Nicht mein persönlicher Geschmack, aber konsequent und stringent umgesetzt. Die Umsetzung und Aufteilung als Portal ist zudem gelungen und man sieht sofort, dass es hier vielleicht auch einen Mehrwert geben könnte. Dieser exisitiert dann auch in Form kleinerer “Widgets”, einem Medien-Player, einer Historie bis zurück ins Jahr 2000, eingelinkte Einträge von Sozialen Netzwerken, etc.
Apropos Netzwerke: zu den obligatorischen Links zu Myspace und Facebook gesellt sich eine eigene Reamonn-Community mit allem, was zu solchen virtuellen Stämmen dazugehört. Hut ab, das nennt man wohl einen ausgeprägter Fan-Anbindungswunsch.

Besonders hervorheben sollte ich auch noch, dass neben dem üblichen Impressum auch noch eine Datenschutzerklärung eingestellt wurde. Finde ich ebenso löblich…


Platz 03
DJ Ötzi

Webseite: djoetzi-music.de
Designer: CooleSchuhe
Umsetzung: CooleSchuhe
Label: Universal

Es nimmt keine Ende und so langsam komme ich mir vor wie in einer Dauerwerbesendung – Wieder mal eine Werbeeinblendung für die neue Single mit Direktlinks zu den üblichen Anbietern. Diesmal jedoch ergänzt um Jamba als Klingelton-Lieferant, denn immerhin schallt einem ja “Ein Stern” in der Bahn immer noch gefühlt aus jedem 3. Handy entgegen. Ein Markt, den es also im Falle DJ Ötzis wohl zu bedienen gilt.
Gestalterisch nichts Anspruchsvolles, aber immerhin mit vielen photorealistischen Effekten aus der Photoshop-Trickkiste, garniert mit ein paar Störern.
Aber weiter im Text und zur Hauptseite. Der Eindruck einer Dauerwerbung flaut auch hier nicht ab und wird ganz entschieden noch von dem Werbanner in Form eines Headers unterstützt Konsequent fortgeführt also. Nun denn, immerhin lässt DJ Ötzi seine Fans nicht gänzlich im Regen stehen, sondern bietet wenigstens noch Neuigkeiten, Bilder, Videos und Infos en Masse an. Über das Design der Webseite nur soviel: Bilder von DJ Ötzi hat es wahrlich ausreichend zu bieten. Dafür ist der Hintergund mit Bergmotiv schon fast eine Entschädigung…

Bleibt nur noch anzumerken: warum schon wieder dieses antike Raster in dessen Winzlingsrahmen noch nicht einmal die kleinsten Bilder ganz zu sehen sind? Ich verstehe es nicht, ehrlich.

Platz 04
Stanfour

Webseite: stanfour.com
Designer: Rainer Frauboes & Nils Reimann
Umsetzung: Rainer Frauboes & Nils Reimann
Label: Universal

Fast war ich geneigt zu jubeln, da hier keine Werbseite vor mir und der Band-Webseite lag, aber weit gefehlt. Als ich die umfangreichen Menüpunkte durchgeklickt hatte, musste ich feststellen: das Ganze ist eine einzige Werbeseite. Das Bild der 4 Mannen von Stanfour, das Single-Cover und die Links zu den Verkäufern dominieren so sehr die Webseite, dass für den Content nur noch gefühlte 10% Platz bleibt. Und da man scheinbar so verliebt in die Höhe von 768 Pixel ist, muss man den dann auch noch durchscrollen – Beim Impressum eine unsägliche Zumutung möchte ich anmerken. Leider fällt dann auch nicht mehr ins Gewicht, dass es sehr wohl einiges an Mehrwert für den Fan gibt, denn Videos, exklusive Galerien, etc. sind zwar gegenüber einigen anderen der hier vorgestellten Band-Seiten vertreten, versinken aber durch die Aufteilung nahezu ins Nebensächliche. Konsequenterweise führt der Link “Fanclub” dann auch auf eine andere Webseite – Wo dann allerdings tatsächlich doch noch etwas mehr geboten wird.

Platz 05
Giovanni (Zarella)

Webseite: giovanni-music.com
Designer: binaries included (vermutlich)
Umsetzung: binaries included
Label: Universal

Diesmal keine Werbevorschaltung, sondern die alte Pest der “Achtung: Flash!” Einblendung. Gestalterisch bekommt man daher auch die Flash-übliche Kost aus Animationen, schmissigen Seitenübergängen, scrollbarem Inhalt und der Selbstbeschneidung im verfügbaren Platz. Alles garniert mit Giovanni, Giovanni und hmm… Giovanni! Inklusive des nur leidlich geglückten Versuchs, den Künstler mit einer gediegenen Farbgebung und einigen weltmännischen Photosettings bis ins Glamourhafte zu überhöhen. Der informative Teil beschränkt sich auf die üblichen Ingredienzen “Eine Prise Biographie, ein wenig Ton, ein Stapel Bilder und ein Schaufel Daten”. Dafür bekommt der Besucher aber immerhin noch ein paar Hintergrundbilder für den Desktop, einen Videoclip und überraschenderweise Bilder vom persönlich zusammengestellten Schlafzimmer-Traum in Kooperation mit einem Möbelhersteller. Wirklich befremdlich das.
Nicht wirklich viel für den Fan, aber wenigstens wird nicht an allen Fronten zum Kauf angereizt. Fast schon zu loben – Wenn auch so, wie Schonkost-Ernährung löblich ist.


Platz 06
Stefanie Heinzmann

Webseite: stefanieheinzmann.de
Designer: Rainer Frauboes
Umsetzung: Basilicom
Label: Universal

So wie die Gestalter dieser Webseite schon alte Bekannte sind, so sind es auch die Mechanismen – Im Hause pop24 wird eben konsequent gearbeitet.
Wieder eine Werbeseite und eine Aufteilung, wie man sie schon bei Reamonn bewundern durfte. Hier allerdings ohne allzu grungige Note, dafür aber mit noch schwerer zu findendem “Weiter zur Hauptseite”.
Dahinter liegt eine Webseite mit der Aufteilung und der Gestaltung eines Blogs, bzw. eines Web-Portals. “Endlich wieder!” möchte ich da ausrufen. Denn, wo man Platz lässt, da gibt es auch vielleicht noch Inhalt zu sehen. Das Design an sich ist gefällig, wahrscheinlich zielgruppengerecht, leider allerdings auch mit ein paar schlimmen Aussetzern in den Punkten Menü-Schriften, Header und dazugehöriger Typo.
Aber zurück zum Inhalt. Halbwegs viel an Informationen mit Neuigkeiten, Bildern, Videos und einer handvoll Texten. Alles Weitere ist in der rechten Sidebar verlinkt und führt natürlich zu diversen direkten und indirekten Verkaufsangeboten. Allerdings befindet sich darunter auch noch ein Link zu einem Fanclub, dessen Webseite alleine schon ein paar Zeilen mehr wert wäre – Stichwort “Spenden und Sponsoring”. Aber wir sind hier ja nicht im Wirtschaftskurs.


Platz 07
Peter Fox

Webseite: peterfox.de
Designer: spreebasis4 / Die Gestalten
Umsetzung: spreebasis4
Label: Downbeat (Warner)

Anstatt der mittlerweile üblichen vorgelagerten Einstiegsseite, geht es bei Peter Fox direkt auf die Webseite, die in grossformatigem Bild mit den vom Video bekannten “Affen-Orchester” daher kommt. Zu recht aufgeräumten Layout mit Menü und animiertem Logo, gesellen sich noch ein Stopper mit dem Voting zur “1Live Krone” und einem textlichen Hinweis auf die nächste Myspace Secret-Show. Soweit, so angenehm in Platzausnutzung und Informationsdichte.
Was mir aber so überhaupt nicht einleuchtet, ist das jeder Klick auf einen Menüpunkt ein anderes Seitendesign zu Tage fördert. Ständig wechseln Raster, Platzierung des Inhalts und Design und es wird selbst vor den Unter-Unterseiten nicht Halt gemacht. Das ist zwar garantiert Absicht und keine Unfähigkeit zur stringenten Linie, aber trotzdem verwirrend uneinleuchtend – Da liegt mir immer nur der Satz “Webdesign ist nicht Kunst” auf der mentalen Zunge. Aber hier kann man ja gepflegt auch anderer Meinung sein, denn schliesslich sind die einzelnen Seiten geschmackvoll udn stilsicher gemacht.

Der Inhalt ist mit den üblichen Zutaten von der Medien- und Infobar nicht weiter spektakulär, aber dafür sind Bilder und Videos aber wenigstens in Hülle und Fülle vorhanden. Nett finde ich zudem, dass man sich ein paar Interviews in voller Länge durchlesen kann und auch noch ein Gästebuch vorhanden ist. Interessanterweise fehlen trotz Myspace-Werbung auf der Startseite jegliche Links auf das dortige Profil des Künstlers. Komisch.

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Kommentare

Ein Kommentar für “Die Webseiten der Top 15 der deutschen Bands und Künstler – Teil 1”

  1. This is very nice post.La Martina

    Kommentiert von La Martina | 5 Juli, 2010, 20:12

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