120 Minuten meines Lebens

Jahrelang war MTV der Sender meiner Wahl, wenn es um Unterhaltung ging: Die Ray Cokes Show, komische bis krude Moderatoren, ein Programmkonzept, welches offensichtlich dem Grundsatz “Einfach mal machen” folgte, anhaltendes, sympathisches Rumgestümpere und dauernd bescheuerte Videos, die man zum ersten Mal irgendwo sah. Davor blieb einem entweder nur “Ronnys Pop Show” oder der Dinosaurier namens “Formel Eins” – Und der roch schon lange recht streng im Untenrum.
Die beste und einschlägigste Sendung war aber defintiv “120 Minutes ”. Anfangs moderiert von so illustren Sänger-Typen wie Miles Hunt oder Paul King und später dann vom wirren und jugendhaften Toby Amies. War gut, war neben dem gnomenhaften Verkäufer im Plattenladen und dem gewissenhaften Studium der Musikgazetten, eine der wichtigsten Quellen, um mal ein paar neue Bands und Künstler kennenzulernen.
Da die Sendung aber zur – jedenfalls für uns hier im westlichsten Teil des Rheinlandes, weil da war Indie-Punk-Sonstwas-Abend in der Rockfabrik. Und da musste man ja hin – ungünstigsten Zeit lief, habe ich Tonnen an Videokassetten verbraucht, um alles Gezeigte aufzunehmen. Nachdem ich dann Sonntags mehr oder weniger beseelt und angeheitert aus der Disse nach Hause kam, habe ich mir gewissenhaft jedes Video angesehen und mir Notizen für den Einkauf der nächsten Woche gemacht.
Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, dass mir “120 Minutes” ein paar, bis Dato unbekannte, Steilvorlagen in meine Plattensammlung geschossen hat. Und, um eine lange Rede mal etwas kürzer zu machen: Der Popkulturjunkie verweist auf eine Seite, wo man sich etliche Videos aus “120 Minutes” zu Gemüte führen kann. Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen – Ausser, dass es hier sogar noch zusammengetragene Playlists der US-Sendungen gibt.

So, ich gehen mal eben die alten VHS-Kassetten suchen und motte mal den Rekorder aus.

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